Freitag, 25. Juli 2014

Coming- Out (Teil 1)

Ja, ich habs mich getraut. Ich bin den ersten Schritt gegangen. Und es war das Beste was ich hätte tun können. Endlich so leben wie mans schon 20 Jahre lang träumt. Anziehen was man will, sich benehmen wie man will, kein Geheimnis mehr in sich tragen. Und wieder einen Stein so groß wie der Mount Everest fiel von mir.
Ich hab mir viele Gedanken gemacht. Wann sag ich es? Wem sag ich es als erstes? Wie reagieren sie? Verliere ich Freunde? Familie? Meine eigene Freundin?
Zu der Zeit hatte ich meine erste richtige Beziehung. Eine Frau, die zuvor nie eine "Frau" als Partner hatte. Das erste Zeichen für mich. Strahl ich so viel Männlichkeit aus, dass es für sie unbewusst das gleiche ist wie mit einem biologischen Mann? Anscheinend ja!
Dann aber der erste Schlag, an den ich zuvor nicht dachte. Lesbisch! Klar, für Außenstehende waren wir das. Für meine Freundin auch. Nur für mich nicht. Ich wusste das ich nach Frauen suche. Die bloße Vorstellung einen Mann zu küssen, ich möchte hier nicht erwähnen wie es sich für mich angefühlt hätte. Also weiter im Text, ich wusste ich suche nach Frauen. Wie erklär ich aber allen das ich eigentlich gar nicht lesbisch bin? Ich habe mit Homosexualität überhaupt gar keine Probleme, falls das der ein oder andere jetzt denken sollte. Es trifft nur einfach nicht auf mich zu.
Die Zeit verging, mittlerweile war es November 2013. Irgendwas war an dem Tag anders, ich hatte mehr als je zuvor, dass Gefühl ich sterbe in mir selbst. Innerlich. Tief in mir drin. Meine Seele. Ich musste raus, ich wollte es der ganzen Welt erzählen. Aber am besten auch gar keinem.
Wie?, eine Frage die ich mir tausende male stellen musste. Wie fange ich an? Halte ich den ganzen Weg durch?
Ich wusste jetzt mittlerweile schon 5 Jahre was mit mir los ist, aber immer wieder hat mich irgendwas daran gehindert den letzten Schritt zu gehen. Außer an diesem Tag. Ich war gerade auf der Arbeit und musste jetzt endlich darüber sprechen, endlich jemandem sagen was los ist.
Also gut, ich hoffe meine damalige Chefin liest das nicht, aber ich ging wie so oft wenn ich Langeweile hatte mit meinem Handy aufs Klo. Dort saß ich an dem Tag ungewöhnlich lange, naja, auch das war mir egal.
Ich war mit meiner Freundin 6 Monate zusammen und ich wusste schon früh, dass sie diejenige ist mit der ich glücklich bin. Ich hab ihr wie keinem anderen Menschen soviel Vertrauen geschenkt. Ich wollte sie nicht verlieren, aber um glücklich mit ihr leben zu können, musste sie es wissen! Besser jetzt wie in einem Jahr dachte ich mir. Ohne um den heißen Brei zu reden und ohne Zusammenhang mit dem Gespräch zuvor, lies ich es raus. " Schatz, ich fühle mich im falschen Körper geboren", waren meine Worte.
Wie sie sich dabei gefühlt hat, weiß nur sie!
Dann ging alles ungewöhnlich schnell, sie löcherte mich mit Fragen, wollte Antworten haben. Stunden haben wir damit verbracht, haben das Thema von 0 aufgearbeitet. Geredet, gelacht, geweint. Es war die richtige Entscheidung! Wir wussten beide, dass es schwer werden wird. Wir wussten aber auch das wir an unsre Beziehung glauben und das wir das gemeinsam packen!
Nur Tage später hab ich mich mit meiner Schwester zum Abendessen verabredet. Sie sollte die nächste sein, sollte es wissen bevor ich es meinen Eltern irgendwie beibringen sollte.
Auch sie war zuerst geschockt. Ich breche heute noch in Tränen aus wenn ich an unser Gespräch damals zurück denke. Es war so offen, so ehrlich. Auch wir haben mehr als eine Stunde damit verbracht zu reden, zu lachen und zu weinen. Aber mein "Geheimnis" wurde Stück für Stück zur Realität.
Dann nur eine Woche später waren meine Eltern dran...

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