Donnerstag, 24. Juli 2014

Meine Jugend

Schon als Kind zu wissen : " Mit mir stimmt was nicht, ich bin anders wie andere ", war nie einfach. Nur was stimmte nicht mit mir? Jahrelang die gleiche Frage. Was ist los mit mir? Wieso fühle ich so? Wieso ich? Immer und immer wieder die selben beschissenen Fragen. Keiner konnte mir helfen. Nicht einmal ich konnte mir helfen.
Als ich ca. 6 Jahre alt war, ließ ich meine Mutter dann wissen : " Ich bin kein Mädchen, ich bin ein Junge! " Mit 6.. Da wusste meine Mutter bestimmt nicht was sie noch erwarten wird. Damals wurde nichts unternommen. Ich war halt einfach ein "kleiner Junge".
"Das verwächst sich, warte ab bis "sie" in die Pubertät kommt".. Sätze die ich heute nicht mehr hören kann, zu oft wurden sie mir an den Kopf geworfen. Sätze um das Problem einfach weg zu schieben.

Früh schon musste ich mit mir selbst kämpfen. Habe mich um Dinge gesorgt über die andere in meinem Alter sich bis heute keine Gedanken machen. Musste mit vorurteilen kämpfen, vor allem und jedem rechtfertigen. Gründe finden für mein Verhalten. Ausreden suchen wieso ich nicht mitspielen will.
Wenn man weiß es stimmt was nicht, aber man nie wirklich raus findet was einen genau bedrückt. Die wenigsten können sich das vorstellen. Klar ist man i.wie `anders` oder kommt `verschlossen` rüber. Ich hatte ja auch 24h den gleichen Gedanken. Ich wusste schon immer, dass ich kein normales ´Mädchen` bin. Hatte auch noch nie verstehen können wie man mit `Barbies`spielt. Ich hab denen höchstens mal die Haare abgeschnitten. Aber wie soll man in so jungen Jahren drauf kommen im falschen Körper geboren zu sein? Wo es doch so wenige gibt die darüber reden? Solch ein unerforschtes und im dunkeln gehaltenen Thema wie dieses..
Ich hatte trotzdem eine sehr angenehme Kindheit, wenn man alles andere was mich Tag täglich bedrückte ausblendet. Gutes Familienverhältnis und 3 x die Woche Fußball- Training waren eine gute Ablenkung. Aber auch immer nur für kurze Momente. Es sind Kleinigkeiten die mich damals und teilweise auch noch heute aus der Bahn werfen. Auf Öffentliche Toiletten gehen ist mit Abstand das komischste Gefühl überhaupt. Egal wohin ich gehe, überall bin ich i.wie falsch, überall wird man angekukt. Seinen Vornamen zu hören, neue Leute kennen lernen, Briefe öffnen die jedes mal mit " Frau " anfangen.. oder in den Spiegel kuken. In den Spiegel kuken hat meinen Tag bestimmt.. Zu oft hab ich jeden mm in meinem Gesicht angekukt und mit anderen verglichen. Wieso werde ich angekukt? Bin ich so anders? Nein, eig stimmt alles mit meinem Gesicht. Keine Auffälligkeiten. Nichts was andere nicht auch haben. Aber wenn ich in den Spiegel schaue, fühle ich mich als würde meine Freundin vor mir stehen.. Ich kenne die Person in dem Spiegel, aber es bin nicht ich. Meine Vorstellungen und meine Gedanken passen nicht mit dem über ein was ich da im Spiegle sehe.
Es waren keine großen Dinge in meiner Jugend die erwähnenswert sind, im großen und ganzen war es immer das gleiche. Von jedem Missverstanden, von jedem ausgelacht und von jedem angekukt werden bestimmten meinen Alltag. Harte Schale, weicher Kern trifft so ziemlich zu 100 % auf mich zu. Man muss stark wirken um nichts an sich ran kommen zu lassen. Wie es in mir drin aussieht hat nie einer gesehen, es hat allerdings auch nie einer nachgefragt.
Dank der Generation Computer und Internet konnte ich dann mit ca 14 Jahren endlich auf die große suche gehen. Dann, gleich die erste Seite, ein Volltreffer! Es gibt noch andere. Fremde Menschen die das gleiche beschäftigt wie mich! Ein Stein, so groß wie der Mount Everest fiel von mir. Nach so vielen Jahren endlich zu wissen was einen Tag täglich beschäftigt hat. Ein Meilenstein für mich. Transidentität! Im falschen Körper geboren!
Ok, ich wusste nun was mit mir los war. Ich hab mich natürlich mehr als nur 1std mit diesem Thema befasst. Doch wird man sich jemals trauen es öffentlich zu machen? Werde ich diesen langen Weg gehen? Kann ich mich meinen Eltern anvertrauen? Meiner Familie? Meinen Freunden?